Prof. Erhard Brepohl > Lebenslauf > Fachbuchautor

Mit dem Goldschmiedelehrbuch wurde ich zum Fachbuchautor



Ich habe mich immer als Lehrer verstanden, ständig zu lernen und zu studieren macht mir nach wie vor Freude, meine Erfahrungen und mein Wissens an interessierte Schüler und Kollegen weiterzugeben ist mein eigentlicher Lebensinhalt. In der Fachschule erreichte ich nur die wenigen Studenten meiner Goldschmiedeabteilung, mit Hilfe meiner Bücher konnte ich meinen Unterricht auf all die Goldschmiede in den deutschsprachigen Ländern ausdehnen, und inzwischen sind auch die Kollegen russischer und englischer Sprache dazu gekommen.

Theorie und Praxis des Goldschmieds.
Seit "Diebeners Handbnuch des Goldschmieds" von 1928 gab es kein umfassendes Fachbuch für Goldschmiede. In der Berufsschule mußte ich meinen Schülern am Ende jeder Stunde eine Zusammenfassung diktieren. Deshalb fragte ich beim Fachbuchverlag Leipzig an, ob irgendwann ein Lehrbuch erscheinen könnte, um meine Arbeit als Berufsschullehrer zu erleichtern. "JA! Und Sie müssen es schreiben!" Das war der Anfang. Ich war 28 Jahre alt, als ich die Konzeption zusammmenbaute, die übrigens noch heute gültig ist. Im Westen gab es keinen Autor, der es besser schreiben konnte als dieser junge, unbekannte Berufsschullehrer aus dem Osten, und es gab keinen Verlag, der ein solches Buch für die relativ kleine Interessentengruppe finanzieren wollte. Der Fachbuchverlag Leipzig ging das Risiko ein, und seit 1962 wurde das neue Goldschmiedelehrbuch in die BRD, nach Österreich und in die Schweiz exportiert. Bis zur Wende wurden etwa 50.000 Exemplare verkauft. Danach wurde das Buch gründlich überarbeitet, wesentlich erweitert, und inzwischen haben viele Kollegen, die den alten "Brepohl" besaßen auch den neuen gekauft!

Erste russische Ausgabe.
Noch ehe die Vereinbarung über die Autorenrechte zwischen der DDR und der UdSSR in Krafttrat, wurde Anfang der 1970er Jahre mein Goldschmiedelehrbuch ohne Lizenz ins Russische übersetzt. In drei Auflagen wurden 120.000 Exemplare zu je 1,80 Rubel (5,40 DDR-Mark) verkauft. Bis heute gibt es in Rußland und in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion keine Berufsausbildung für Goldschmiede. Es ist kaum vorstellbar, trotzdem war es so: All die Schmuckmacher in diesem riesigen Land mußten sich jahrzehntelang ihren Beruf im Selbststudium erarbeiten, wer sich auf so etwas einlassen wollte, war ganz auf sich selbst angewiesen - und auf mein Goldschmiedelehrbuch, das auch dort "Der Brepohl" heißt. Im Jahr 2002 war ich im Auftrag des Senior-Experten Service in einem sehr guten Schmuckbetrieb in Bischkek, der Hauptstadt Kirgisiens, 7000 km von Bad Doberan entfernt.. Die 20 selbständigen Goldschmiede der Hauptstadt brachten ihre alten, abgenutzten Exemplare meines Buches zu mir, damit ich sie signieren sollte - was ich mit großer Freude tat.

Jetzige russische Ausgabe.
Inzwischen wird die Neufassung meines Buches seit 1999 in russischer Sprache und in bester Qualität vertrieben, es ist aber eine sehr teure Anschaffung. In Bischkek legte mir ein sehr sympathischer junger Kollege mein Buch vor und bat mich um eine Signatur, ich tat es mit großer Freude: Er hatte das komplette Buch Seiten für Seite kopiert, weil er sich das Originalbuch nicht leisten konnte!

Englische Ausgabe in den USA.
Zur gleichen Zeit, also 1999, hat Tim McCreight in seinem Verlag Brynmorgen Press, Portland, Maine eine sehr gute englische Ausgabe erarbeitet, die mit großem Erfolg in den USA und den englischsprachigen Ländern vertrieben wird.
Die beiden wichtigsten Quellenschriften zur Geschichte der Goldschmiedekunst
Es gibt eine ganze Reihe historischer Goldschmiedeschriften, die man als lose Rezeptsammlungen bezeichnen kann, aufgeschrieben von Mönchen, die selbst keinen Bezug zur Arbeit des Goldschmieds hatten. Die Aufzeichnungen des Theophilus und Cellinis sind dagegen von überragender Qualität, weil die Autoren ihre eigenen Erfahrungen als Goldschmiede niedergeschrieben haben. Mit meinen Bearbeitungen wurden diese Werkstattbücher erstmalig von einem Goldschmied kommentiert und erläutert.

Theophilus Presbyter und die mittelalterliche Goldschmiedekunst.
Ende der 70er Jahre bekam ich die Theophilusausgabe in die Hand, die Wilhelm Theobald 1933 beim VdI-Verlag Berlin herausgebracht hatte. Eigentlich wollte ich diese Ausgabe nur überarbeiten und beim Verlag Edition Leipzig als Reprint herausgeben. Als Goldschmied erkannte ich, daß zu viele Veränderungen erforderlich wären, und so entschloß ich mich zu einer eigenen, gründlichen Neubearbeitung dieser mittelalterlichen Schrift: neue Übersetzung, neue Kommentare, viele neue Zeichnungen und zahlreiche Fotos von Beispielobjekten aus der Zeit. Der Verlag sorgte für die erstklassische Ausstattung der Ausgabe, so daß sie als "Schönstes Buch des Jahres 1985" ausgezeichnet wurde. Alle Bücher von Edition Leipzig waren für den Export nach dem Westen, also zur Devisenbeschaffung, bestimmt. Ich konnte für 5.000 DM Fotos aus westlichen Museen anfordern - aber keines der fast 100 Goldschmiedeobjekte durfte ich im Original betrachten, ich mußte sie alle nur nach den Fotos beschreiben. Nach der Wende war ich in all den Museen, habe die Objekte im Original gesehen und kann mit Stolz anmerken, daß alle meine Beschreibungen richtig sind. 1987 erschien dieser Band bei Edition Leipzig.
Gesamtausgabe des "Theophilus".
Nach der Wende gab es den Verlag Edition in Leipzig nicht mehr, die Rechte meiner Veröffentlichung gingen an den Böhlau Verlag über, und so konnte ich schließlich mit der Gesamtausgabe des Theophilus in zwei Bänden meinen Traum erfüllen:

E.B.: Theophilus Presbyter und das mittelalterliche Kunsthandwerk.
Band I: Malerei und Glas; Band II: Goldschmiedekunst
Böhlau Verlag Köln 1999.

Das Werkstattbuch des Benvenuto Cellini.
Mehrfach traf ich nach der Wende den großen Gold- und Silberschmied Prof. Max Fröhlich aus Zürich. Im Jahre 1972 schenkte er mir sein Buch mit der ersten brauchbaren deutschen Bearbeitung des Werkstattbuchs '"Abhandlungen über Goldschmiedekunst und Bildhauerei" des Benvenuto Cellini. Nach der Wende kam es am Rande einer Tagung zu einem Gespräch, an das ich mich Wort für Wort erinnere: "Bringen Sie doch noch einmal eine neue Ausgabe von Cellinis Trattati heraus." "Sie wissen wohl nicht wie alt ich bin (er war fast 90 Jahre alt und ganz vital), Machen Sie es doch!" Er starb kurze Zeit später.Im November 2005 konnte ich meine Bearbeitung der Übersetzung Ruth und Max Fröhlich herausgeben.